Foto: Noom.

Craft vom Land: Noom aus Riegersburg

Die beiden Brüder Jakob und Johannes Marn haben vor einigen Jahren ihre Leidenschaft für Craft Beer und das Heimbrauen entdeckt und sich, nach einiger Vorbereitungszeit, im Frühjahr 2019 daran gemacht, ihre eigene Brauerei in der Nähe von Riegersburg, die Noom Kreativbrauerei, zum Laufen zu bringen.

Einen Teil des Ergebnisses konnte man am Samstag im The Thirsty Heart verkosten. Im Gepäck hatten die Noom-Brüder ihr Melon Blanc Brut IPA, ein süffiges und angenehm hopfiges trockenes IPA, und die Berliner Weisse Neo, die mit Ribisel vergoren wird.

Da die Brauerei noch ganz neu ist, haben wir Johannes (Danke an dieser Stelle) ein paar Fragen zukommen lassen, um mehr über die Brauerei, ihre Biere und ihre Ziele als Brauer zu erfahren.

Ihr seid Quereinsteiger und habt euch dazu entschlossen, eure Brauerei in der Nähe von Riegersburg zu eröffnen. Warum?

Das hat unterschiedliche Gründe. Zu Beginn haben wir uns überlegt als Wanderbrauerei zu starten, doch dann hat uns unser Onkel die Möglichkeit angeboten, im Kellergeschoß seines ehemaligen Gasthauses eine kleine Brauerei einzurichten. Die Räumlichkeiten waren zwar renovierungsbedürftig, doch die Raumaufteilung inklusive vorhandenem Kühlraum waren für unsere Größenordnung perfekt. Somit können wir jetzt auch garantieren, dass bereits abgefülltes Bier, zumindest solange es noch bei uns ist, optimal gelagert wird.

Außerdem liegt das Gasthaus direkt an der Bundestraße und jeder, der von Richtung Graz oder Wien einen Ausflug in die Genussregion Riegersburg macht, fährt daran vorbei. Die Lage ist somit ebenfalls optimal für uns, um in Zukunft Bier direkt in der Brauerei zu verkaufen und um Verkostungen oder Führungen anzubieten.

Riegersburg sowie das gesamte steirische Vulkanland sind für eine Vielzahl an Genussprodukten von Schokolade bis Essig bekannt. Somit bietet sich für uns durch den Standort in Riegersburg die Chance, die Vielfalt an Genussprodukten in der Region zu erweitern. Kurz zusammengefasst: wir sehen den Tourismus in unserer Region als Chance, auch im ländlichen Raum mit unkonventionellen Bieren Erfolg zu haben.

Neben all diesen Überlegungen haben wir es jedoch vor allem unseren Onkel zu verdanken, da wir ansonsten wohl als Wanderbrauerei gestartet hätten. Und ich muss schon zugeben, es fühlt sich auch sehr gut an, einen Platz zu haben, an dem wir interessierten Besuchern die Möglichkeit geben können, uns zu besuchen.

Das heißt natürlich nicht, dass der Vertrieb in Graz und weiteren Städten für uns nicht im Fokus liegt. Neben einem starken Standbein in der Region möchten wir uns natürlich durchaus auch in der bestehenden Craft Beer-Szene etablieren.

Bisher habt ihr drei Biere vorgestellt: Die Ribisel-Berliner Weisse Neo, das Pale Ale Mother Earth und das Brut IPA Melon Blanc. Sind das bereits ausgereifte Rezepte, die eure fixe Palette darstellen, oder verändert sich das noch? Und welche Stile möchtet ihr unbedingt noch in euer Repertoire aufnehmen?

Die Rezepte von Neo und Melon Blanc sind bereits ausgereift und werden wohl auch so bleiben. Wenn jemand gute Vorschläge hat, um die Rezepte zu verbessern, haben wir natürlich jederzeit ein offenes Ohr für Feedback. An unserem Pale Ale werden wir noch ein paar kleine Schrauben drehen, da es noch nicht zu hundert Prozent unseren Erwartungen entspricht. Im Großen und Ganzen werden zukünftige Biere natürlich auch davon abhängig sein, wie gut diese bei unseren Kunden ankommen. Neue Rezeptentwicklungen werden wir vorerst als Prototypen am Bauernmarkt in Riegersburg (und vielleicht in Zukunft auch in Graz) ausschenken und verkaufen um uns direktes Feedback einzuholen. Ich bin mir sehr sicher, dass sich unser Sortiment zukünftig verändert oder erweitert, doch in welche Richtung es geht, wird sich erst zeigen.

Klarerweise legen wir vorerst natürlich den Fokus auf Wirtschaftlichkeit. Die Biere, die gut funktionieren, werden wir so schnell nicht wieder aus dem Sortiment nehmen. Unser Fokus liegt vor allem darauf, Biervielfalt in die Region zu bringen. Wir werden somit nicht jeden Monat ein neues DDH IPA oder ähnliches auf den Markt bringen, sondern uns an unterschiedlichsten Bierstilen versuchen, um vielleicht auch irgendwann unsere Nische zu finden.

Persönlich würde es uns sehr reizen unser Sauerbier-Sortiment zu erweitern, uns mit Fassreifungen auseinanderzusetzen und in diesen Bereichen unser Know-how zu verbessern. Wer weiß, vielleicht ergeben sich hier ja durch die Nachbarschaft mit RUOTKER’S – house of whiskey, gin & rum, welches dieses Jahr von David Gölles in unmittelbarer Nähe zu unserer Brauerei eröffnet wird, tolle Kooperationen.

In den letzten fünf Jahren hat sich die gesamte Szene massiv verändert – sich erst etabliert, jetzt ein wenig konsolidiert. Wo seht ihr Noom in fünf Jahren, wie sehen eure Ziele, die ihr mit uns teilen möchtet, bis dahin aus?

Das ist für uns die wohl schwierigste Frage. Hättest du mich vor fünf Jahren, als ich meine Arbeit in der Softwarebranche begonnen habe, gefragt, was ich in fünf Jahren machen werde, hätte ich nie im Leben daran gedacht, dass ich heute eine Berliner Weisse braue und dir diese Fragen beantworte. Ich hätte nicht mal gewusst, was eine Berliner Weisse ist und dass es so etwas wie Craft Beer überhaupt gibt.

Ich denke es ist absolut unabdingbar als Unternehmen eine größere Vision zu haben, als unmittelbar Gewinn zu erwirtschaften. Aktuell sind wir jedoch sehr in den Details unserer Unternehmung verloren und das große Ganze wird sich wohl erst in den nächsten zwei Jahren für uns herauskristallisieren. Unsere aktuellen Ziele, die wahrscheinlich auch noch in fünf Jahren ihre Gültigkeit haben, sind vor allem:

  • So hohe Qualität wie möglich zu produzieren.
  • Neue Menschen, vor allem in der Region, von unkonventionellem Bier zu begeistern.
  • Uns einen Namen in der Craft Beer-Szene zu machen.
  • So viel Bier wie möglich zu verkaufen, um in weitere Gärtanks und eine effektivere Abfüllanlage investieren zu können.
  • Nicht auszubrennen.
  • Eventuell wäre es noch gut, davon auch leben zu können. 🙂

Die Fotos von der Biervorstellung stammen wie so oft vom rasenden Fotografen Johnny What, der diesmal auch Infos vor Ort zusammengetragen hat. Danke dir! Das Artikelbild ist von Noom.

Written by

Klemens

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