Bierkultur in Zeiten des Coronavirus

Der Umsatzausfall beträgt bis zu 100%, die Verpflichtungen und Investitionen die vorab getätigt wurden und getätigt werden mussten (ausreichend Rohstoffe, Werbung, Veranstaltungen…) sind deshalb aber nicht auf 0 reduziert.

Das ist die Realität vieler kleiner Betriebe. Von ihr voll betroffen sind auch die Brauereien, ob nun Mikrobrauerei oder Wanderbrauer, die Bierläden und die Bierbars. Der Ausfall der Gastro und der Triumph des System Supermarkt machen es kleinen Brauereien schwer. Denn um in einem Supermarkt unterzukommen braucht man niedrige Preise, muss sich flexibel an die Bestelllage anpassen und vor allem auch zum richtigen Zeitpunkt große Mengen liefern können. Der Wettbewerb um einige Zentimeter Regalfläche ist dabei hart. Während Kleine in die Regale drängen, werden sie von den Industriebrauereien wieder verdrängt. Diese haben durch ihre Infrastruktur einen klaren Vorteil. Supermärkte wie Spar ersetzten deshalb immer mehr lokale Kleinbrauereien wieder durch “Craft” gelabelte Produkte von Industriebrauereien und Industriebier aus anderen Ländern.

Persönlicher Einwurf zwischendurch: Als würde ein Helles aus einer Heineken-Fabrik in Italien grundlegend anders schmecken als ein Helles aus einer Heineken-Fabrik in Österreich, oder Deutschland… Und wohin geht der Gewinn? Gerade Heineken führt zum Beispiel 100% (!) des Gewinnes ihrer BrauUnion (genau, die mit den “UNSER Bier”-Werbungen) direkt zum Mutterkonzern ab.

Es reicht also nicht, sich auf Supermärkte zu verlassen, wenn man mehr als Systemerhalt möchte. Die harte Realität ist, dass regionale Kleinbetriebe, die nicht an Industrieriesen abführen, oft als nicht Systemrelevant genug gesehen werden. Wer nur Zahlen sieht, übersieht den ideellen Wert dieser Betriebe. Den Wert eines guten Lokals, einer Brauerei, wo man sich am Freitag Abend treffen und fachsimpeln kann. Den Wert eines Bierladens, der wirkliche Biervielfalt bietet. Gerade diese Geschäfte sind jetzt von Schließungen bis auf Widerruf betroffen und müssen hart kalkulieren. In solchen Zeiten sollten wir nicht nur in Supermärkte gehen, sondern gerade diese Betriebe unterstützen. Ruft sie an, schreibt ihnen auf Facebook oder per Mail. Fragt, wie es ihnen geht und was ihr dafür tun könnt, damit diese Betriebe wieder aufsperren wenn das Schlimmste vorbei ist.

Wir haben gesammelt, welche Brauereien aktuell wie verkaufen. Support your local microbrewery!

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Klemens

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